Eine Nachbetrachtung zu den rechten Aufmärschen am 03.03.2018 in Kandel

Kandel am 03.03.2018

Schon am Morgen des 03.03. zeichnete sich ab, das Kandel an diesem Tag erneut Schauplatz eines Aufmarschs rechter Kräfte werden wird. Das Bündnis „Kandel ist überall“ welches u.a. von der Landtagsabgeordneten und stellvertretenden Landesvorsitzenden der AfD in Baden-Württemberg Dr. Christina Baum initiiert wurde, mobilisierte Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet sowie zu Teilen aus dem europäischen Ausland (Schweiz, Niederlande) zur Demo in Kandel. Diesem Aufruf folgten insgesamt etwa 3500-4000 Leute. Bereits am 18.02.2018 wurde das Banner des Bündnisses „Kandel ist überall“ auf dem sogenannten „Frauenmarsch“ in Berlin präsentiert, welcher durch viele Antifaschist_innen blockiert, und somit ein deutliches Zeichen gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft gesetzt werden konnte. An der Demo in Berlin nahm u.a. Lutz Bachmann, der Initiator der fremden- und islamfeindlichen Organisation „Pegida“ teil. So erschien es wenig überraschend, dass eben jener zur Teilnahme an der Demonstration am 03.03. in Kandel aufrief.

Am 03.03. wurden bereits am Morgen größere Gruppen im südlichen Teil Kandels gesichtet, die dem Aufruf des rechten Bündnisses „Kandel ist überall“ folgten. Die Menschen trugen Deutschlandfahnen und Schilder auf denen fremdenfeindliche Parolen zu lesen waren wie: „Grenzen dicht schützt unsere Frauen“,  „Unser Land und unser Geld gehört uns und nicht der Welt“, „bunter BM Poß Streichelneger bezahlt vom Sozialamt“, sowie zahlreiche „Merkel muss weg“-Schriftzüge. Nach der Kundgebung um 15:00 Uhr am Mitfahrerparkplatz in Kandel, von wo aus der Aufzug der Rechten startete, setzte sich der Demozug in Bewegung. Die Polizei war mit einem massiven Aufgebot vor Ort und sperrte die Zugangswege zwischen dem Mitfahrerparkplatz und dem Treffpunkt der Gegendemonstration in der Nansenstraße gegenüber des Kreisels.  Parolen wie „Merkel muss weg“, „Antifa Hurensöhne“ und „Europa, Jugend, Reconquista“, „Festung Europa, macht die Grenzen dicht“ die Parolen der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ wurden unter  anderem aus dem Demozug der Rechten gerufen. Antifaschist_innen der Gegenkundgebung antworteten den Faschist_innen lautstark: „Alerta Alerta Antifascista“, „say it loud, say it clear, refugees are welcome here“. Nachdem sich der bürgerliche Teil der Demonstration in Bewegung setzte, harrte ein Teil der Genoss_innen am Kundgebungsort aus, um einen eigenen antikapitalistischen Block zu stellen. Dem Versammlungsleiter wurde von Seiten der Polizei nahegelegt, sich von den „Linksextremisten“ zu distanzieren. Die Antifaschist_innen welche vor dem Beginn der Gegendemonstration bei ihrer Anreise bereits versuchten eine Kreuzung zu blockieren, wurden auf der Kundgebung mit der Aussage, doch bitte „friedlich zu demonstrieren“ begrüßt. Als der Antifa Block in Bewegung kam, wurde als Antwort „ob friedlich oder militant – wichtig ist der Widerstand“ skandiert. Der antikapitalistische Block zog lautstark, jedoch abgeschirmt von den rechten Hetzern durch den Norden Kandels. Währenddessen wurden Anwohner_innen, welche keinen Bock auf die Rassist_innen hatten und dies entlang der Demoroute offen zeigten von dem wütenden Mob, teils vermummt attackiert. Die Polizei schien wiederholt, trotz des massiven Aufgebots  von der Situation überfordert und schaffte es nicht, die Faschist_innen davon abzuhalten, die Anwohner_innen anzugreifen. Wenig später, an der Kreuzung Ecke Rheinstraße/Bahnhofstraße versuchte die gleiche Gruppe Nazis erneut Gegendemonstrant_innen anzugreifen. Hier setzte die Polizei Pfefferspray gegen die Angreifer ein. In der Bahnhofstraße schloss sich die „Gegen-Gegendemo“ des Rechten Marco Kurz (Der Marsch) an, wo einige Neonazis des dritten Wegs, sowie der Jungen Nationaldemokraten (Jugendorganisation der NPD) teilnahmen. Während sich die rechte Demo großteils zum Mitfahrerparkplatz am Kreisel begab, stand die „Gegen-Gegendemo“ von Kurz am Kreisel um gegen „die Antifa“ zu demonstrieren. Es wurden außerdem Transparente mit „1933 SA – 2018 Antifa“ und „Nationaler Widerstand“ präsentiert. Wer bekennende Nazis wie u.a. Mario Mattes, Christian Hehl (beide NPD) und Klaus Armstroff (Vorsitzender III. Weg, ehemals NPD) wissend auf seiner Demonstration teilnehmen lässt und Seite an Seite die gleichen stumpfen faschistischen Parolen skandiert stellt sich auf eine Stufe mit den Faschist_innen. Bei der Abreise der Demonstrationsteilnehmer kam es im Zug zum Angriff von Neonazis auf eine Frau, welche an der Gegendemonstration teilgenommen hatte. Als ein Jugendlicher einschreiten wollte, wurde dieser ebenfalls attackiert.

Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie die Faschist_innen ihren stumpfen Rassismus auf die Straße tragen! Für den 24.03. hat das Bündnis „Kandel ist überall“ erneut eine Demonstration angemeldet. Marco Kurz hat bereits angekündigt, an jedem ersten Samstag im Monat in Kandel demonstrieren zu wollen. Die nächste Demo findet am 07.04.2018 statt.

Darum, EINGREIFEN WENN ES WICHTIG IST! 

DEM RASSISTISCHEN MOB ENTGEGENTRETEN!

NAZIAUFMÄRSCHE STÖREN!

 

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